Sonntag, 06 Rabi' al-awwal 1444 | 02/10/2022
Uhrzeit: (M.M.T)
Menu
Hauptmenü
Hauptmenü
  •   |  

بسم الله الرحمن الرحيم

Im Namen Allahs des Allerbarmers des Barmherzigen

Antwort auf eine Frage

Die Nahost-Reise Bidens und das iranische Atomprogramm

Frage:

Der amerikanische Präsident Joe Biden reiste am Mittwoch von Washington aus im Rahmen eines offiziellen Besuchs, der „Israel“, das Westjordanland und Saudi-Arabien umfasst, in den Nahen Osten… (Alarabiya.net, 13.07.2022). Am 10.07.2022 hieß es auf der Website des Nachrichtenportals „Youm7“: Der amerikanische Präsident wird kommende Woche in den Nahen Osten reisen, um ein neues und vielversprechendes Kapitel der amerikanischen Rolle in der Region aufzuschlagen…. Die Zeitung Asharq Al-Awsat berichtete auf ihrer Website am 05.07.2022: Der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, Ned Price, sagte, dass der Iran bereits oft in den letzten Wochen und Monaten Forderungen gestellt habe, die sich außerhalb des Atomabkommens von 2015 befänden… Laut der Nachrichtenagentur Reuters machte er deutlich, dass momentan keine weiteren Verhandlungen mit dem Iran geplant seien…. Die Frage ist jetzt: Hat sich die USA vom Atomabkommen abgewendet? Was ist das Ziel des Biden-Besuchs und warum findet dieser zum jetzigen Zeitpunkt statt? Besteht ein Zusammenhang zwischen der Reise und dem Atomabkommen, oder werden damit andere Ziele verfolgt? Und kann sich der Iran zu einer Atommacht entwickeln? Möge Allah dich segnen, unterstützen und durch dich den Sieg ermöglichen…      

Antwort:

Die Frage lässt sich zweiteilen: zum einen das Atomabkommen mit dem Iran, zum anderen die Biden-Reise. Im Folgenden die Antwort:

Erstens: Das Atomabkommen:

1 – Das iranische Atomprogramm ist mit seiner lokalen, regionalen und internationalen Dimension ein wichtiger Teil der amerikanischen Iranpolitik. Das Atomprogramm steht darüber hinaus im Zusammenhang mit anderen Angelegenheiten und ist deshalb für die US-Strategie von regionaler und internationaler Bedeutung. Seitdem die Amerikaner 2015 das Atomabkommen unterschrieben haben, fahren sie je nach aktueller politischer Lage einen Schlingerkurs. 2017 haben sie das Abkommen wieder aufgekündigt, um dann bis zum heutigen Tag über eine Rückkehr zu verhandeln. Die tiefgründige Analyse der strategischen Sicht der USA auf das iranische Atomprogramm offenbart, dass die US-Politik eher eine Verwaltung als eine Lösung des Problems vornimmt. Diese US-Perspektive ist von der amerikanischen Strategie regional in der islamischen Welt sowie international nicht zu trennen.

2 – Ein objektiver Blick auf die Realität zeigt deutlich, dass sich hinter den Kulissen der Iran in seiner Außenpolitik großteils mit den Amerikanern abstimmt und der US-Politik nicht widerspricht. Vielleicht hat die amerikanische Invasion des Irak im Jahr 2003 diese Zusammenarbeit deutlich zutage treten lassen, denn der amerikanische und iranische Einfluss im Irak gingen Hand in Hand. Ferner hat die von den USA angeführte internationale Allianz gegen den IS bei ihren Angriffen in Syrien keinerlei iranische Ziele oder Milizen attackiert. Die USA ließ diesen vielmehr freie Hand, um (vom Boden aus) einen vernichtenden Krieg gegen die syrische Revolution zu führen. Zugleich griffen die USA die Revolutionäre unter dem Vorwand der „Terrorbekämpfung“ mit ihren Bombern aus der Luft an. Und so ein koordiniertes Vorgehen kann nur geschehen, wenn sich die Staaten über die Rollenverteilung einig sind. Denn beide Seiten hatten das Ziel, die amerikanische Marionette Baschar an der Macht zu halten. Auch die amerikanische Invasion Afghanistans deckte die koordinierte Zusammenarbeit zwischen den USA und dem Iran auf. Iranische Politiker brüsteten sich in einigen Fällen gar damit, der US-Invasion den Weg nach Afghanistan geebnet zu haben!

3 – Nach dem Ende des Irak-Iran-Krieges 1988 und dem Aufstieg des Irak als große Militärmacht begann der Iran mit dem Aufbau seines Raketen- und Atomprogramms, um von seiner Quasi-Niederlage im Krieg gegen den Irak abzulenken. Die USA hatten die Iraner seit den 1950er Jahren ganz offiziell bei der Atomforschung unterstützt, die nach der Khomeini-Revolution gestoppt wurde. Im Jahr 1989 wurde die Atomforschung jedoch wieder ins Leben gerufen. Nachdem die USA die Militärmacht des Irak in den Jahren 1990-1991 zerstört und den Irak aus Kuwait vertrieben hatten, nachdem sie ein Embargo gegen den Irak verhängt und Waffeninspektionen im Lande erzwungen hatten, war der Weg für den Iran als neue Regionalmacht frei. Nach dem Kalten Krieg sah die amerikanische Politik nämlich vor, ein neues imaginäres Feindbild zu schaffen, um die militärische Präsenz der Amerikaner auf der Welt nach dem Fall der Sowjetunion zu legitimieren. Der Iran eignete sich dabei hervorragend als Argument und Vorwand. So begannen die USA viele ihrer politischen Handlungen mit der iranischen Gefahr zu rechtfertigen. Das ging so weit, dass sich selbst die Russen immens darüber wunderten, als die Amerikaner in Polen und Rumänien das Raketenabwehrsystem mit der Begründung installierten, die iranischen Raketen würden eine Bedrohung darstellen!

4 – Und so wurden das iranische Atomprogramm und der schnelle Aufbau tausender iranischer Anlagen zur Urananreicherung von den europäischen Großmächten und den kleinen Golfstaaten als ernsthafte Gefahr wahrgenommen. Bei genauerer Untersuchung zeigt sich, dass all das für die amerikanische Politik von mehreren Aspekten her notwendig war:

A – Die Schaffung einer iranischen Bedrohung, um die ölreichen Golfstaaten unter Druck zu setzen und den dortigen Herrschern den Schutz durch die USA anzubieten. Präsident Trump prahlte ja damit, dass die USA Saudi-Arabien beschützen würden, und verlangte in Mafia- und Erpresser-Manier Geld dafür, indem er erklärte, dass das saudische Regime ohne den amerikanischen Schutz keine zwei Wochen an der Macht bleiben würde.

B – Auf internationaler Ebene kesselten die USA Russland strategisch zunehmend ein und bauten ihr Raketenschild in der Nähe der russischen Grenze auf. All das rechtfertigten die USA unter anderem mit der Behauptung, die europäischen Staaten vor den iranischen Raketen schützen zu wollen.

5 – Mit der zunehmenden Angst der Europäer begannen ab 2006 die Verhandlungen mit dem Iran. Es bestand Hoffnung, das iranische Atomprogramm auf die Nutzung im zivilen Bereich zu beschränken und den Iran von einer militärischen Nutzung abhalten zu können. In diesem Sinne wurde die 5+1-Gruppe ins Leben gerufen, bestehend aus den fünf Atommächten und Deutschland. Obwohl die USA zu dieser Gruppe gehörten, wurden die Atomverhandlungen von den anderen Staaten geführt, ohne direkte Teilnahme der Amerikaner. Das bedeutet nichts anderes, als dass die USA während dieser neun Jahre anhaltenden Verhandlungen (bis 2015) nicht ernsthaft daran interessiert waren, dass iranische Atomprogramm zu beschränken. So hielten die europäischen Staaten gemeinsam mit Russland und China eine Sitzung nach der anderen in einem schier endlosen Verhandlungsleerlauf ab, der dazu führte, dass die iranische Stärke und Gefahr umso mehr wahr- und ernstgenommen wurden.

6 – Die innenpolitische Spaltung in Amerika hatte ebenfalls einen großen Einfluss auf das iranische Atomprogramm, und während der Trump-Administration erreichte diese Spaltung ein gefährliches Ausmaß. So griff Präsident Trump die Politik seines Vorgängers Obama im Hinblick auf das iranische Atomprogramm scharf an. Im Jahr 2017 kündigte Trump das Atomabkommen auf, verkündete harte Strafen gegen den Iran und öffnete dem Zionistengebilde die Tür, um verstärkt gegen den Iran vorzugehen. Und weil sich Trump wie ein arroganter „Cowboy“ verhielt, erniedrigte er den Iran durch die Tötung von Qasem Soleimani, Kommandeur der Quds-Einheit in der iranischen Revolutionsgarde, Anfang Januar 2020. Ferner zeichnete sich die Beziehung der Trump-Administration zum Zionistengebilde unter Führung Netanjahus durch vollständige Harmonie aus, ganz im Gegensatz zur demokratischen Obama-Regierung. In der Folge ging das Zionistengebilde in seinen Angriffen auf iranische Ziele immer hemmungsloser vor; seien es direkte Angriffe auf atomare Ziele, wie beispielsweise die Sabotage der Atomanlage Natanz, oder indirekte Aktionen, wie der Diebstahl von sensiblen Geheimdokumenten des iranischen Atomprogramms und die Ermordung zahlreicher iranischer Nuklearwissenschaftler und Atomexperten…

7 – Und hier begannen die Demokraten in den USA - als sie sich in Opposition befanden - die Machtzentren des iranischen Regimes, insbesondere den damaligen Außenminister Jawad Zarif, zu kontaktieren und die Hoffnung bei ihnen zu wecken, dass ein Sieg der demokratischen Partei bei den Präsidentschaftswahlen 2020 die Rückkehr zum Atomvertrag bedeuten würde. Es war dies ein öffentliches Versprechen des Präsidentschaftskandidaten Biden, bevor er zum Präsidenten gewählt wurde. Damit hatte sich Biden zu einer Rückkehr zum Atomabkommen verpflichtet. Die Beweggründe dafür haben mit der inneren Spaltung der USA zu tun. Und tatsächlich kam es nach der Amtseinführung Bidens Anfang 2021 zur Rückkehr zu den Atomverhandlungen mit dem Iran, wobei bislang immer noch keine Fortschritte zu verzeichnen sind. Dieser Stillstand ist darauf zurückzuführen, dass eine Rückkehr zum Atomabkommen für die amerikanische Strategie nicht mehr notwendig ist. Vielmehr ist es erforderlich geworden, die iranische Gefahr erneut in den Vordergrund zu rücken. Darüber hinaus fordern die republikanischen Abgeordneten im US-Kongress, über das neue Atomabkommen abzustimmen und drohten mit Ablehnung, sollten sie erneut eine Mehrheit im Kongress erlangen. Das hat die Verhandlungen ins Stocken gebracht. Nunmehr sind eineinhalb Jahre ins Land gezogen, ohne dass es die Biden-Administration geschafft hätte, zum Atomabkommen mit dem Iran zurückzukehren.

8 – Der Ukrainekrieg nahm ebenfalls Einfluss auf das Atomabkommen, weil die Biden-Administration in der Folge die Aufgabe übernahm, die russischen Öllieferungen nach Europa zu ersetzen. Dies zählt nämlich zu den Erfordernissen der Führungsrolle, die Amerika im Rahmen der NATO gegenüber den westlichen Staaten einnimmt. Die Biden-Administration änderte deshalb ihre Sichtweise dahingehend, dass die Sanktionen gegen das iranische Regime aufgehoben werden müssten, um den Verkauf des iranischen Öls auf den internationalen Märkten zu ermöglichen. Dieselbe Strategie wurde auch mit Venezuela und Saudi-Arabien verfolgt. So wurde im März 2022 - also kurz nach Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine - offensichtlich, dass die Amerikaner auf einen schnellen Abschluss des Atomabkommens mit dem Iran drängten. Die Biden-Administration zeigte sich auch offen dafür, der iranischen Forderung nachzukommen, die Revolutionsgarde von der Terrorliste zu streichen, nachdem Trump sie draufgesetzt hatte. Die Rückkehr der USA zum Atomabkommen war somit zum Greifen nah, nachdem sich durch den Ukrainekrieg Änderungen in der amerikanischen Politik ergeben hatten. Als jedoch Russland, das zur 5+1-Gruppe gehört, die Bedingung setzte, dass die eigenen Handelsbeziehungen mit dem Iran von den westlichen Sanktionen ausgeschlossen werden, waren die USA nicht mehr bereit, das Atomabkommen zu unterzeichnen. Und solange die Russen auf ihre Bedingungen bestehen, ist davon auszugehen, dass sich ein Abschluss des Atomabkommens in den kommenden Monaten dahinziehen wird, bis die Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress im November 2022 vorüber sind… Denn es ist offensichtlich, dass sich Biden momentan mehr auf die Zwischenwahlen als auf das Atomabkommen mit dem Iran konzentriert…

Zweitens: Der Nahost-Besuch Bidens

1 – Wer den Nahost-Besuch Bidens genau analysiert, wird erkennen, dass es um die Steigerung der Beliebtheitswerte Bidens und seiner Partei bei den kommenden Zwischenwahlen geht, auch wenn dies durch das Vorschieben anderer Ziele kaschiert wird! Biden ist nämlich in einen innenpolitischen Konflikt mit der republikanischen Partei verwickelt, der sich insbesondere an zwei bemerkenswerten Aspekten feststellen lässt: Zum einen versucht die republikanische Partei Profit daraus zu schlagen, dass sich Biden auf das Atomabkommen mit dem Iran konzentriert und dabei - im Gegensatz zu Trump – keinen Druck auf den Iran ausübt und auch keine zusätzlichen Sanktionen formuliert. Zum anderen hat Biden kein Interesse gezeigt, die Beziehungen zum zionistischen Gebilde zu intensivieren und zu stärken, so wie es Trump getan hat. Und weil beide Aspekte Einfluss auf die Zwischenwahlen zum Kongress haben, versucht Biden nun in den verbleibenden Monaten vor den Zwischenwahlen im November 2022 diese Problematik zu lösen:

* Was den ersten Aspekt anlangt, so hat Biden im Vorfeld seines Besuches den Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, Ned Price, Folgendes verkünden lassen: „… Es sind momentan keine weiteren Verhandlungsrunden mit dem Iran geplant…“. Dies laut Bericht der Zeitung Asharq Al-Awsat vom 05.07.2022. Hinzu kommen mehrdeutige Aussagen Bidens zum Abkommen selbst, die auf ein Ende der Atomverhandlungen oder zumindest auf deren Verzögerung hinweisen, bis die Zwischenwahlen vorüber sind. Damit die Republikaner die Iranpolitik Bidens nicht gegen ihn und die demokratische Partei ausnutzen können…

* Den zweiten Aspekt behandelte Biden dadurch, dass er eine noch nie dagewesene Unterstützung für das Zionistengebilde verkündete und Tel Aviv das größte Hilfspaket der Geschichte in Höhe von mehr als vier Milliarden Dollar gewährte… Hinzu kam das Versprechen, die Normalisierung der Beziehungen zwischen dem jüdischen Staat und den arabischen Staaten zu beschleunigen. All das dient dazu, die Unterstützung der jüdischen Lobby für die kommenden Zwischenwahlen zu gewinnen. Biden will damit zeigen, dass er das Zionistengebilde noch mehr unterstützt als Trump und die Republikaner. Denn der Zeitpunkt seines Besuchs in der Region, insbesondere seines Besuchs des Zionistengebildes in diesem Monat (Juli 2022) und seine damit einhergehende Unterstützungsbekundung für das Gebilde, verleihen Biden eine wahltaktische Trumpfkarte von dieser Lobby. Ferner sollen seine Beliebtheitswerte in den USA dadurch gesteigert werden, indem die herrschenden Vasallen im Nahen Osten ihre Unterstützung und Folgsamkeit ihm gegenüber kundtun! Das betrifft insbesondere die Energieversorgung durch Saudi-Arabien und die Golfstaaten. Auch das soll seinen Wahlsieg wahrscheinlicher machen. Folgende Punkte bestätigen diese Sichtweise:

A – Das Weiße Haus erklärte, dass der amerikanische Präsident Joe Biden gewillt ist, die Nahost-Reise, die am Mittwoch beginnt, zu nutzen, um die amerikanische Rolle in einer Region zu stärken, die sukzessive an strategischer Wichtigkeit gewinnt. Jake Sullivan, Nationaler Sicherheitsberater der USA, verdeutlichte am Montag in einer Pressekonferenz im Weißen Haus die Ziele des ersten Nahost-Besuchs Bidens während seiner Präsidentschaft. So stehen Israel, Palästina und dann Saudi-Arabien auf der Reiseliste. In Saudi-Arabien will er mit den Führern des Golf-Kooperationsrats, sowie Ägyptens, Jordaniens und des Iraks zusammenkommen. Im Hinblick auf die Normalisierung der israelisch-arabischen Beziehungen machte Sullivan deutlich, dass die US-Regierung sich wünscht, dass sich noch mehr arabische Staaten dieser Normalisierung anschließen. Jede Normalisierung sei positiv zu werten.

Auch hatte Biden die Golfstaaten dazu aufgefordert, die Ölförderung zu steigern. Dies geschah vor dem Hintergrund hoher Ölpreise von über 100 Dollar pro Barrel, was zu einem Anstieg der Inflationsrate beigetragen hat. Zudem führt der anhaltende russische Krieg gegen die Ukraine zu weltweiten Befürchtungen hinsichtlich der Energie- und Lebensmittelversorgung. [Al-Jazeera, 11.07.2022]

B – Al-Jazeera berichtet auf der eigenen Website am 10.07.2022 von einem in der Washington Post veröffentlichten Artikel: [… Der amerikanische Präsident wird kommende Woche den Nahen Osten besuchen, um ein neues und vielversprechendes Kapitel im Hinblick auf die amerikanische Rolle in der Region aufzuschlagen. Im Artikel der Washington Post verkündet Biden, dass das Zusammenkommen der regionalen Führer im saudi-arabischen Dschidda das Signal aussenden wird, dass ein stabilerer Naher Osten durchaus möglich ist. Zudem verweist Biden darauf, dass er der erste amerikanische Präsident sein wird, der von Israel aus direkt nach Dschidda reisen wird. Und in Bezug auf die Beziehungen zu Israel betont er, dass seine Regierung das größte Hilfspaket in der Geschichte für Tel Aviv ermöglicht hat, ein Hilfspaket im Wert von mehr als vier Milliarden US-Dollar…].

C - Die Zeitung Asharq Al-Awsat veröffentlichte auf ihrer Website am 05.07.2022 Folgendes: Washington: <<Asharq Al-Awsat Online>> Der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums Ned Price teilte heute (Dienstag) mit, dass der Iran des Öfteren in den letzten Wochen und Monaten Forderungen gestellt habe, die über das Atomabkommen von 2015 hinausgingen. Er fügte hinzu, dass die neuen Forderungen die fehlende Ernsthaftigkeit Teherans offenbarten. Die indirekten Gespräche zwischen Teheran und Washington sind letzte Woche in Doha beendet worden. Ziel dieser Gespräche war es, das Atomabkommen noch zu retten. Der erhoffte Fortschritt blieb jedoch aus. Price sagte der Nachrichtenagentur Reuters zufolge, dass momentan keine weiteren Verhandlungen mit dem Iran geplant seien.

D – Auf dem Nachrichtenportal Youm7 war am 05.05.2022 Folgendes zu lesen: Der amerikanische Präsident Joe Biden und die demokratische Partei haben angesichts der kommenden Zwischenwahlen zum Kongress mit einigen Herausforderungen zu kämpfen. Die US-Administration ist von einer Krise in die nächste geschlittert. Sie hat es - trotz aller Wirtschaftssanktionen gegen Moskau – nach fast drei Monaten nicht geschafft, Russland daran zu hindern, seinen Krieg auf ukrainischem Boden fortzusetzen. In der Folge kam es weltweit zu immer höheren Inflationsraten und Problemen mit der Energieversorgung. Die FED hat zur Bewältigung der Krise die Zinsen um 0,5% angehoben, die höchste Anhebung in den letzten 22 Jahren. Laut amerikanischen Analysten und Medien werden die Zwischenwahlen zeigen, wie zufrieden die US-Bevölkerung mit den ersten zwei Jahren seiner Präsidentschaft tatsächlich ist…

Vor diesem Hintergrund ist die Nahost-Reise Bidens, die gerade zu diesem Zeitpunkt stattfindet, nämlich kurz vor den Zwischenwahlen in den USA, zu sehen. Bereits in unserem Eingangsstatement haben wir das Ziel der Reise dargelegtWer den Nahost-Besuch Bidens genau analysiert, wird erkennen, dass es um die Steigerung der Beliebtheitswerte Bidens und seiner Partei bei den kommenden Zwischenwahlen geht, auch wenn dies durch das Vorschieben anderer Ziele kaschiert wird!“

Drittens: Abschließend wollen wir zwei Aspekte betonen:

1 – Diese sogenannten Großmächte werden von einer Zerbrechlichkeit heimgesucht, die manchmal zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen ihren Parteien und Teilen ihrer Bevölkerung führt. Leider finden diese Staaten, und das ist besonders schmerzhaft, ihre Problemlösungen in unseren Ländern und auf unsere Kosten! Biden reist in unsere Länder und besucht zuallererst jene, die uns am feindlichsten gesinnt sind: die Zionisten in ihrem Staatsgebilde, das uns mit Gewalt den gesegneten Boden Palästinas entrissen hat. Danach reist er direkt weiter in den Ḥiğāz, wo ihn die unterwürfigen Herrscher mit offenen Armen empfangen: Der amerikanische Präsident zeigt sich stolz darüber, dass er der erste US-Präsident sei, der von „Israel“ aus direkt nach Dschidda reist (…) und dem jüdischen Staat das größte Hilfspaket der Geschichte zukommen lässt. Trotzdem schämen sich die saudischen Herrscher nicht. Selbst das Schamgefühl scheint ihnen abhandengekommen zu sein! Im Anschluss kommt Biden mit den Herrschern der Golfstaaten zusammen und spricht mit ihnen über die Steigerung der Energieproduktion, um die Inflation in den USA in den Griff zu bekommen. Sodann kommen zu dieser Schar an Herrschern noch die Führer aus Ägypten, Irak, Jordanien und der palästinensischen Behörde hinzu, um mit ihnen die Normalisierung der Beziehungen mit dem jüdischen Gebilde zu besprechen. Und mit der Aussage „Jegliche Normalisierung der Beziehungen ist positiv zu sehen“ gab Biden dabei den Ton an… Biden will also, dass diese Vasallen ihre Beziehungen zum Zionistengebilde normalisieren, anstatt es mithilfe eines bewaffneten Kampfes, des ğihāds, zu beseitigen! Diese Herrscher klatschen dazu nur, ohne sich vor Allah, dem Gesandten oder den Gläubigen zu fürchten! Statt die USA und das Zionistengebilde so einzustufen, wie es der Koran konstatiert:

(هُمُ الْعَدُوُّ فَاحْذَرْهُمْ قَاتَلَهُمُ اللَّهُ أَنَّى يُؤْفَكُونَ)

Sie sind der wahre Feind, so nimm dich in Acht vor ihnen! Bekämpfe sie Allah, wie sind sie doch getrogen! (9:30), bauen sie friedliche Beziehungen zu ihnen auf und verbeugen sich vor ihnen!

2 – Im Hinblick auf die letzte Frage, ob der Iran zu einer Atommacht aufsteigen könnte, so ist diese zu bejahen. Das ist allerdings nur möglich, wenn der Iran die eigene Außenpolitik nicht mit den USA abstimmen würde, wie wir es oben dargelegt haben. Nur dann kann der Iran zu einer einflussreichen Macht werden… Das iranische Regime hat sich jedoch in Abhängigkeit von der amerikanischen Politik begeben und verhält sich wie ein Satellitenstaat. Diesen Weg setzt es auch fort, weil sich die herrschenden Eliten im Iran damit angefreundet haben, mit der amerikanischen Politik verknüpft zu sein, und gar nicht daran denken, sich davon loszulösen. Anstatt selbst über das eigene Atomabkommen zu bestimmen, macht sich der Iran von den Verhandlungen in Wien und damit von der Zustimmung Amerikas abhängig: Der Sprecher des iranischen Außenministeriums Saeed Khatibzadeh sagte in einer Pressekonferenz: „Wenn es morgen in Wien zu einer Einigung in den Atomverhandlungen käme, könnte der Iran alle begonnen technologischen Prozesse rückgängig machen.“ Independentarabia, 13.06.2022). Eine tiefgreifende Veränderung der iranischen Politik ist deshalb äußerst unwahrscheinlich, außer wenn der Islam im Iran implementiert wird, in der Innen- und Außenpolitik gleichermaßen, und die Beziehungen zu den Amerikanern endgültig gekappt werden... Wir erwähnen diese Option zwar, erachten aber deren Realisierung unter den heutigen politischen Führern im Iran als äußerst unwahrscheinlich. Doch sagen wir:

(مَعْذِرَةً إِلَى رَبِّكُمْ وَلَعَلَّهُمْ يَتَّقُونَ)

Um eine Entschuldigung vor eurem Herrn zu haben, und auf dass sie vielleicht gottesfürchtig werden. (7:164)

15. Ḏū l-Ḥiǧǧa 1443 n. H.
14.07.2022 n. Chr.
Nach oben

Seitenkategorie

Links

Die westlichen Länder

Muslimische Länder

Muslimische Länder